Braille Without Borders
Mein Weg Fuhrt Nach Tibet Autorenporträt

Sabriye Tenberken, Jahrgang 1970, stammt aus der Nähe von Bonn. Seit ihrem zweiten Lebensjahr begann sie zu erblinden. Sie hat Tibetologie, Soziologie und Philosophie studiert und kümmert sich derzeit um den Ausbau und Betrieb der Blindenschule in Lhasa.

Fuer Ihre Arbeit erhielt Sabriye Tenberken mehrere Auszeichnungen u.A. den Mutter Teresa Award, Albert Schweizer Award, das goldene Bambi, Young Global Leader (World Economic Forum), Nationaler Friendship Award von der chinesischen Regierung und das Bundesverdienstkreuz.

LESETIPP

"Vielleicht ist die Welt für mich manchmal schöner, weil ich sie mir in der Vorstellung ausmalen kann" In Tibet leben sie am Rande der Gesellschaft: blinde Kinder. Seit die damals 26-jährige Sabriye Tenberken in ihre Dörfer gekommen ist, haben sie eine Zukunft. Kelsang Meto (Glücksblume), so wird sie von den Kindern genannt, gründete das erste Ausbildungszentrum für Blinde in Tibet. Sie weiß, wie wichtig eine gute Ausbildung für die Zukunft blinder Menschen ist - sie ist selbst blind. Ihren Wunsch, Tibetologie zu studieren, musste Sabriye Tenberken gegen viele Widerstände durchsetzen. Sie entwickelte die erste tibetische Braille-Schrift und machte auf eigene Faust eine ausgedehnte Rundreise per Pferd durch die Autonome Region Tibet, um blinde Kinder ausfindig zu machen, die zum Teil versteckt oder sogar ans Bett gefesselt werden. Schulen gab es für sie bisher nicht, und auch das hat Sabriye Tenberken geändert: Heute leben und lernen in der von ihr gegründeten Einrichtung 17 Kinder, weitere sollen bald hinzukommen. Sie werden inzwischen auch von einheimischen Lehrern u.a. in Tibetisch, Chinesisch und Englisch unterrichtet, geplant ist ein Berufsausbildungsprogramm in Medizin und Krankenpflege, Tierhaltung und Lebensmittelherstellung. Von ihrem großen Abenteuer, das häufig kurz vor dem Scheitern stand, erzählt Sabriye Tenberken mit viel Humor und Zuneigung zu den Tibetern und ihrer so ganz anderen Kultur. Und sie zeigt uns, dass Blindsein keine Behinderung sein muss.

Sabriye Tenberken, Jahrgang 1970, stammt aus der Nähe von Bonn. Im zweiten Lebensjahr wurde eine Netzhauterkrankung festgestellt, die unweigerlich zur Erblindung führte. Sie hat Tibetologie, Soziologie und Philosophie studiert und kümmert sich derzeit um den Ausbau und Betrieb eines Rehabilitations- und Trainingszentrums für Blinde in Lhasa. Am 8. März 2000 erhielt sie für ihr Engagement den Norgall-Preis des International Womens Club. Im August 2000 erscheint auch ihr Kinderbuch "Tashis neue Welt. Ein blinder Junge zeigt uns Tibet". Im Herbst 2000 wird in der ARD ein Dokumentarfilm über Sabriye Tenberken und ihr Projekt ausgestrahlt; ein Kinofilm ist in Vorbereitung.

Pro verkauftem Exemplar geht DM 1,- als Spende an den Förderkreis Blinden-Zentrum Tibet e.V. (Spendenkonto: Konto-Nr. 13806195, BLZ: 380 500 00, Sparkasse Bonn)

Die ersten Sätze

Im Flugzeug nach Peking saß links von mir ein Chinese, der in seine Zeitung vertieft schien. Als das Abendessen abgeräumt war, nahm ich meinen Mut zusammen und fragte ihn mit meinen frisch erworbenen Chinesisch-Kenntnissen: "Sie leben in Peking?" Er antwortete nicht. Vielleicht nickte er nur. Und so fragte ich einfach weiter, wie ich es in meinem dreiwöchigen Intensivkurs am Bochumer Sinicum gelernt hatte: "Haben Sie Kinder?" Wieder keine Antwort. Vielleicht hatte er erneut genickt oder gar nicht reagiert, weil es ihm unangenehm war, zugeben zu müssen, keine Kinder zu haben. "Ich habe keine Kinder", meinte ich, um ihm zu zeigen, dass wir im Falle seiner Kinderlosigkeit dasselbe Los teilten. Ich fügte hinzu, ich sei 26 Jahre und studierte Zentralasienwissenschaften an der Bonner Universität. Irgendwie schien ihn das nicht zu beeindrucken. Er war vielleicht schüchtern oder hatte mich einfach nicht verstanden. Wahrscheinlich ließ meine Aussprache erheblich zu wünschen übrig, und ich sagte entschuldigend: "Es tut mir leid, aber mein Chinesisch ist nicht sehr gut, ich habe ja nur drei Wochen gelernt." Mir wurde langsam unbehaglich zumute, denn noch immer kam keine Reaktion von links. Dafür aber von rechts. Der Flugzeugmechaniker klopfte mir auf die Schulter und meinte: "Fräulein, der Herr schläft und hat einen Kopfhörer auf, er kann Sie gar nicht hören."

Kritik

"Die Begegnung mit der blinden Sabriye Tenberken hat mich tief beeindruckt - ich bewundere so viel Mut und Engagement für ihre Arbeit im fernen Tibet.", Alfred Biolek

Das Buch "Mein Weg führt nach Tibet" wurde auch in folgende Sprachen übersetzt

LANGUAGE TITEL PUBLISHER ISBN - Nr.
French Mon Chemin mène au Tibet Anne Carriere 2-84337-165-1
Italian La mia strada porta in Tibet Longanesi, imprint Corbaccio 88-7972-485-1
Turkish Yolum Tibet´e Düstü Parentez 975-8441-48-5
Taiwanese Ping's Publications 957-803-384-2
Korean Bitsaal Publishers Co 899523330-3
Japanese Fuunsha Co. Ltd 4-938939-24-x
Danish Vejen til Tibet Billesoe & Baltzer 87-7842-121-7
Dutch Mijn weg leidt naar Tibet Sirene 90-5831-069-8
Spanish Mi camino me lleva a Tibet Maeva 84-96231-10-0
English My path leads to Tibet Arcade Publishing House 1-55970-658-9
German Mein Weg fuehrt nach Tibet Kiepenheuer & Witsch 3-462-02936-3

REZENSIONEN

Ein ganz besonderes Abenteuerbuch!
Eine fast unglaubliche aber wahre Abenteuergeschichte aus dem heutigen Tibet! Geschrieben wurde das Buch aus einer ungewöhnlichen Sicht von einer jungen Frau, die sachlich, interessant, spannend und mit viel Humor berichten kann. Lassen Sie sich von Sabriye Tenberken in ihre Welt entführen und erleben Sie, wie sie gegen alle Widerstände ihre Sache, die Gründung einer Blindenschule in Tibet, mit ganzem Herzen verfolgt. Obwohl sie nur auf einer Seite des Buches ganz versteckt der Liebe Platz einräumt, erzählt sie damit doch mehr davon als andere in einem ganzen Roman. Ein Buch, das Mut macht! Sehr empfehlenswert!

Hamburg, Deutschland, 12. März 2001
Rezensionen an Amazon.de

Eine Blinde öffnet uns die Augen Dass Blinde auf ihre Weise mehr sehen als andere, ist ein Klischee seit den Tagen Homers, des "blinden Sängers". Wer das Buch von S. Tenberken gelesen oder sie im Fernsehen erlebt hat, wird zugeben, dass es zumindest in ihrem Fall wirklich so ist. Nur wenige Sehende dürften wie sie den "Blick" haben für das Angemessene: das treffendste Argument im Konflikt, den brauchbarsten Mitarbeiter für eine bestimmte Aufgabe, den kürzesten Weg zum Herzen eines verstörten Kindes.

Vor allem aber ist es ein Buch über eine seltene Eigenschaft: Mut (ein Freund, der sie persönlich kennengelernt hat, nennt Sabriye "eine Heldin unserer Zeit"). Alleine nach Tibet gereist, trotzt sie allen Widrigkeiten, dem extremen Klima, dem Mißtrauen der Einheimischen, der Ignoranz der chinesischen Behörden und der mangelnden Unterstützung aus der Heimat, und hält fest an ihrem Ziel: einer Schule für blinde tibetische Kinder. Und läßt sich nicht verbiegen, sondern bleibt, wie sie ist: entschlossen und sensibel.

In einer Welt der banalen Ängste- Angststörungen sind inzwischen die häufigste psychiatrische Diagnose- in der viele den Kontakt zu ihrem Nachbarn fürchten und den Chatroom einem realen Ort der Begegnung vorziehen, ist dies auch ein Buch der Ermutigung: wer es liest, kann erfahren, wie die eigenen Ängste zu schrumpfen beginnen und mitten im grauen Alltag die Neugier erwacht auf die leuchtenden Farben des Lebens. Farben spielen eine große Rolle in diesem Buch einer Blinden, man lernt auch eine Menge darüber, wie sie die Welt wahrnimmt.

Anders als etwa die Berichte eitler Survival-Künstler, dient dieses Buch, obwohl es von extremen Erfahrungen handelt, nicht der Selbstbeweihräucherung. Es geht der Autorin nicht um ihre Person, sondern um ihre Sache: ihr Projekt in Tibet und ein tieferes Verständnis für die Weltsicht der Blinden. Und es gelingt ihr, uns die Augen zu öffnen.

Berlin, 31. Dezember 2000
Rezensionen an Amazon.de


Bei Hoffmann und Campe ist im März 2001 das Buch "Mein Weg führt nach Tibet" als Hörbuch erschienen.


"Blind durch Tibet? Das klingt ja wie ein Hollywoodfilm!" Es ist in der Tat die unglaubliche Geschichte einer blinden jungen Frau, die sich allein nach Tibet aufmacht, einer Studentin, die in Bonn Zentralasienwissenschaften studiert, eine tibetische Blindenschrift entwickelt und mit Gepäck und weißem Stock in das Ziel ihres ganzen Engagements aufbricht. "Es gibt einen Traum", sagt Sabriye Tenberken und auf drei Kassetten erzählt Ulrike Grote, Schauspielerin mit passender, angenehm junger und unverbrauchter Stimme, auch über die lange Strecke nicht müde werdend, die Geschichte der Blinden.

Es überzeugt, rührt tief an und schnell schließt man automatisch die Augen, geht mit auf Reisen. Allerdings fragt man sich, warum für die Produktion nicht all jene Mittel ausgeschöpft wurden, die unsere Sinnlichkeit ausmachen: Musik, Geräusche, Stimmen, Atmosphäre, Klangbilder, um unserer Fantasie Flügel zu verleihen, Situationen schillernder, plastischer und abwechslungsreicher werden zu lassen. Gelegentlicher, gezielter Einsatz dieser akustischen Raffinessen hätte das Zuhören nicht nur erleichtert, sondern es auch zu einem noch größeren Abenteuer werden lassen. Lesung, Spieldauer: 225 Minuten, 3 Kassetten.

Barbara Wegmann
Amazon.de Audiobook-Rezension